16. September 2012

36. Leipziger Jazztage

Die ganze Wiese ist voller Scheiße. Johannes haut gleich wieder ab, kommt aber wenig später wieder um die Ecke gebogen, mit Ziegelsteinen in der Hand. Keine Ahnung, wo er die jetzt her hat. Er legt auf jeden Haufen einen Stein und ich wundere mich, mit welcher Selbstverständlichkeit er das macht. (Außerdem frage ich mich, ob schon mal jemand in Stonehenge nachgesehen hat, ob da vielleicht nur Dinosaurierkot markiert wurde.)

Tobe ist bereit, Johannes ist bereit, die Wand ist bereit. Action. Plakat eins wird ins linke Fenster geklebt – es war anders geplant, aber Johannes möchte als Linkshänder lieber den Großteil mit der richtigen Hand kleistern. Linkshänder, diese Künstler! Daran hatten wir nicht gedacht. Es läuft ganz gut, ich reiche die Plakate.

Beim zweiten Plakat geht im Nachbarhaus ein Fenster auf, vier Gesichter sind zu sehen. „WAS SOLL’N DAS WER’N!?“ Gut, das wir den Ton erst vom Saxophon-Take nehmen. Tobe verhandelt und beschwichtigt. Wir werden von oben beäugt und photographiert, lassen uns aber nichts anmerken. Die Plakate hängen.

Als sich Johannes für die zweite Szene – oder vielmehr fürs linke Bild – einspielt, kommt einer der Gaffer und Schimpfer vorbei. Er ist erstaunlich nett, und nach Checkung der Lage beruhigt. Hätte ja auch was Politisches sein können, sagt er. Tobe geht zur Baustelle nebenan und bittet um Ruhe.

Der Presslufthammer schweigt, das Saxophon erklingt. Nach dreißig Sekunden mache ich mit der flachen Hand so eine zackige Bewegung von links nach rechts. Johannes hört auf zu spielen, schnappt sich die Leiter und geht aus dem Bild. Das Zusammenklappen der Leiter setzt dem Video das Ende. Und es ist die Klappe fürs Festival: die 36. Leipziger Jazztage können beginnen.

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